„Eure Rede sei Ja, Ja und Nein, Nein“
veröffentlicht am 31. Januar 2010
Das Motto für die Fastenaktion in der Passionszeit heißt „7 Wochen ohne…“. Um in der Wohlstandsfülle wieder das Maß zu finden, ist das eine gute Devise. Aber mit einem „Nein“ zu beginnen, ist ein zweifelhafter Einstieg für eine positive Lebenshaltung. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol ist löblich, aber lässt die Frage offen, was das Leben denn stattdessen reich macht. Wer maßloses Leben satt hat, wird fragen, was denn an Stelle der Fülle tritt. Leere lässt auf Dauer verzweifeln. Jeder braucht etwas, was ihn erfüllt. Wer wirklich fastet, sucht nach einer Alternative. Er will frei werden, dem, woran es sich lohnt, sein Herz zu hängen, Raum zu geben. Roland Werner sagt es so: „Askese bedeutet einfach auf bestimmte Dinge zu verzichten, damit andere Dinge möglich werden.“
Jedem Sportler, der ernsthaft trainiert, leuchtet das ein. Zu jedem Nein gehört also ein Ja. Wenn Jesus sagt „Eure Rede sei Ja, Ja und Nein, Nein. Was darüber ist, ist von Übel (Matthäus 5, 37), dann geht es nicht darum, entweder Ja oder Nein zu sagen.
Ja und Nein hängen zusammen. Es macht Sinn zu fragen: Wenn ich zum Bildschirmkonsum Nein sage – was will ich stattdessen bejahen? Und wenn ich entdecke, dass Mitarbeit in der Gemeinde mir und anderen Freude bringt – welche zeitlichen und/oder finanziellen Abstriche wage ich für diesen Einsatz?
In der Passionszeit geht es darum, dass Ja Gottes zu uns Menschen und zu unserer Welt zu entdecken. Leid, Sterben und Tod versuchen uns einzuflüstern, dass Gott Nein zu uns sagt. Die Erfahrungen mit dem Elend dieser Welt sind oft wirklich bitter. Gerade deswegen hat Gott seine Rettungsaktion gestartet und Jesus mitten in das Leid geschickt. Jesus hat das Leid und die Verlorenheit dieser Welt getragen – und durch die Auferstehung besiegt. Er hat Ja, Ja und Nein, Nein gesprochen. Die Auferstehung Jesu, sein Ja zum Leben, ist ohne das Kreuz, sein Nein zu Gewalt, Sünde und Elend nicht zu glauben. Und dass sich im Sterben Jesu das Ja seiner Liebe zeigt, ist ohne die Auferstehung nicht glaubwürdig.
Wer im Wohlstand gefangen ist oder ins Leid gezwungen ist, verliert das Ja oder das Nein leicht aus dem Blick. In den Gesprächskreisen, Andachten und Gottesdiensten während der Passionszeit nutzen wir die Gelegenheit, dem ehrlichen und tröstlichen Zusammenhang von Ja und Nein auf die Spur zu kommen. Ich lade herzlich ein, dabei zu sein.
Mit herzlichem Gruß
Ihr/Euer Hartmut Sölter, Pastor