Andacht

Gott ist „immer und überall“. So singen wir es nicht nur mit den Kindern.

Manchmal kommen Zweifel: Wo war er bei dem Unglück? Wo war Hilfe, als die Angst groß war? Kann Gott wirklich alles segnen, womit ich unterwegs bin?

Der Prophet Jeremia sah Gott nicht überall dort, wo sein Volk Israel Gott haben wollte. Im Auftrag Gottes fragte er: „Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?“

Also doch: Gott geht auf Distanz Das ist in Notzeiten schmerzvoll. Solche trostlosen Zeiten können dazu dienen, wieder ins Fragen zu kommen: Nach dem Sinn in allem Wohlstand, nach dem Nächsten, den wir aus dem Blick verloren haben, nach Gott, der sich nicht vereinnahmen lässt. Abstand kann Gutes bewirken, weil er hilft, neu und anders auf die Dinge zu schauen.

Geht Gott vielleicht auch auf Distanz, um aus dem Abstand seine Menschen in ihrer Situation neu zu betrachten? Damit er sie weiter lieben kann, wenn sie auf Abwege gekommen sind, wenn Ungerechtigkeit statt Liebe geübt wird? Will er vielleicht nicht als Komplize von Unrecht erscheinen, wenn etwas Krieg und Korruption noch mit einem ‚Gott mit uns‘ dekoriert werden?

Gott sei nie weiter entfernt als ein Gebet, heißt es. Der Einstieg für ein solches Gebet könnte das Erntedankfest sein. Wenn wir den Schöpfer und Geber aller Gaben suchen, treten wir aus der Unbekümmertheit des Konsumierens heraus. Das könnte uns z. B. auch aus der Distanz zu den Notleidenden führen. Wie kann ich, wie können wir helfen? Wer aus Dankbarkeit handelt, wird erfahren, wie Gott aus der Ferne nahe kommt. Oft genug wird Gottes Bestand gerade in der Not erfahren. Jesus hat es zugesagt, gerade für die, die sich auf den Weg machen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ein gesegnetes Erntedankfest wünscht Ihr/Euer Hartmut Sölter, Pastor


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