Angedacht

Liebe Nettelnburgerinnen und Nettelnburger, liebe Gemeindeglieder!

Die Passionszeit geht ihrem Ende entgegen. Erst Mitte April feiern wir an Ostern die Auferstehung Jesu. Es ist das höchste Fest der Christenheit, weil das Leben über den Tod siegt. Das war nicht nur für die Jünger Jesu damals schwer zu glauben. Es braucht auch heute Zeit, damit diese Auferstehungsbotschaft bei uns ankommt. In der Passionszeit haben viele von uns Verzicht geübt. In der ebenfalls 7-wöchigen Osterzeit bietet sich die Chance dem neu entdecktem und geschenktem Leben Raum zu geben. Giuseppe Angelo Roncalli* hat dafür 10 Gebote der Gelassenheit formuliert, die ich hier gerne zu bedenken gebe:

1 Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu leben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2 Nur für heute werde ich auf ein zurückhaltendes Auftreten achten: Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. – nur mich selbst.

3 Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände meinen Wünschen anpassen.

4 Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin – nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

5 Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6 Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7 Nur für heute werde ich etwas tun, wofür ich eigentlich keine Lust habe. Sollte ich es als Zumutung empfinden, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8 Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9 Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben.

10 Nur für heute werde ich ein Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht ganz daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Der Vorteil dieser „Gebote“ liegt auf der Hand: Es sind positive Sätze. Kein „Du sollst“, kein „Du sollst nicht“. Jede und jeder kann sofort mit der Umsetzung beginnen. Dabei wünsche ich viel (Oster-)Freude.

*später Papst Johannes XXIII. (+1963)

Ihr/Euer Hartmut Sölter, Pastor


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