Angedacht „Land in Sicht“

veröffentlicht am 5. August 2018

Liebe Nettelnburgerinnen und Nettelnburger, liebe Gemeindeglieder!

Land in Sicht – gab es zunächst gar nicht! Land unter hieß es am Himmelfahrtstag 2018. Während wir vormittags an der Franz-von-Assisi-Kirche in Neuallermöhe noch einen bunten Freiluft-Gottesdienst gefeiert haben, ergoss sich der Himmel nachmittags in einer Weise, die einen das Fürchten lehrte. In nur 90 Minuten nahm das Wasser von oben seinen Lauf und stieg dann von unten in die Häuser. „Das war schlimmer als die Hamburg-Flut 1962“, sagte
ein älteres Gemeindeglied.
Bald waren Feuerwehr und andere Hilfsdienste vor Ort; aber wohin sollten sie das Wasser abpumpen? Helfer und Nachbarn taten, was sie konnten. Trotzdem gab es große und auch tragische Verluste, die bis heute schmerzen. „Warum?“ fragt sich mancher. Es bleiben offene
Fragen
In aller Not war dann doch Land in Sicht: Die Nachbarschaft funktionierte in ganz vielen Fällen von gleich auf jetzt. Es entstand ein Wir-Gefühl wie in alten Siedlerzeiten. Auch wenn nicht alles gleich zu bewerkstelligen war, weil die spontane Situation überforderte, reagierten
Behörden, Stadtreinigung und Hilfsdienste zügig. Vieles ist inzwischen repariert, anderes wird noch seine Zeit brauchen.
Land in Sicht heißt auf Schiff , dass der Weg zu festem Boden unter den Füßen erst am Horizont erscheint. Als die Not am größten war, wurde deutlich, wie die Rettung geschieht: nämlich dann, wenn gemeinsam gehandelt und geplant wird. Nun haben wir in Nettelnburg (wie auch in Boberg, Lohbrügge und Oststeinbek) die Folgen des Klimawandels mit dem Phänomen des Starkregens selber erlebt. Sonst sind wir ja meistens Zuschauer vor dem Bildschirm. Ob wir die Herausforderung begreifen, dass Einzellösungen nur bedingt helfen,
während gemeinsame sowie globale Ziele nötig sind?

Der Regenbogen ist ein Zeichen mit weitem Horizont. Er steht für Gottes Rettungshandeln nach der Sintflut. (nachzulesen am Anfang der Bibel in 1. Mose 6-9) Keiner kann ihn nur für sich in Anspruch nehmen, aber er erscheint für alle Menschen. Der Regenbogen steht für Gottes Versöhnungswillen und beschwört das Miteinander von uns Menschen. Die biblische
Sintflut kam, weil jeder vor allem auf seinen eigenen Weg bedacht war. Gott und der Nächste blieben außen vor.Das führt schnell zu einem Leben auf Kosten anderer, also zu einem „Land unter“. Die Katastrophen werden nicht weniger werden. Wohl dem, der über den eigenen, begrenzten Horizont blicken kann und nicht im Blick auf die Katastrophen gefangen ist. Als Christinnen und Christen beziehen wir uns dafür auf die Zusage Gottes am Ende der Sintflutgeschichte, die einen weiten Horizont aufmacht: „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt“, spricht Gott. „Der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich die Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken, dass keine Sintflut komme, die alles verderbe.“
Nun steht die Urlaubs- und Reisezeit bevor. Möge Gott Zeiten der Besinnung schenken, die ein „Land unter“ im Horizont eines „Land in Sicht“ bedenken. Das bewirkt einen Glauben mit Hoffnung. So wie es der irische Reisesegen mit auf den Weg gibt:

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.

Mit herzlichem Gruß, Ihr/Euer

Hartmut Sölter, Pastor


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