Bugenhagen Nettelnburg zum Lockdown light, 7.11.2020

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Bugenhagengemeinde!

Bei uns zu Hause und in Übersee sind die Zeiten derzeit ziemlich unruhig. So grüße ich alle mit dem verheißungsvollen Jesuswort: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Frieden, Schalom, Wohlergehen wünsche ich allen –im Miteinander in der Familie, in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft, in der Gemeinde.

Der November hat den amtlichen Stempel „Lockdown light“ bekommen. Kontaktverzicht ist das Gebot der Stunde und für nicht wenige Bereiche auch das Gesetz, zu dem sich die Regierenden durch die Coronainfektionszahlen genötigt sehen. So ist auch für unsere Kirchengemeinde der weitgehende Verzicht auf Kontakte angesagt. Im Wortlaut hat der Kirchengemeinderat (KGR) bis zum 30.11. beschlossen:

… „dass folgende Angebote stattfinden dürfen:

  • Gottesdienst, Seniorenkreis (Anmerkung d. Red.: Das Team des Seniorenkreises hat beschlossen auf die Treffen vorerst zu verzichten), Konfirmandenarbeit.

Bezüglich der sonstigen Gruppen schließt der KGR sich den Empfehlungen von Staat und Kirche an, auf Kontakte bis Ende November zu verzichten.“

Das bedeutet, dass Musikgruppenproben, Gruppenkreise, Treffen von Fremdgruppen damit nicht möglich sind. (Gremiensitzungen allerdings schon. Sie sind nötig fürs Gemeindeleben, z.B. bei Planungen für Weihnachten.) Manches lässt sich über Videochat oder Telefonkonferenz erledigen, anderes muss liegen bleiben.

Da der Beschluss kam, nachdem der Turmhahn schon im Druck war, dürfen also auch nicht stattfinden: Bücherstube, Weihnachtsliedersingen am 1. Advent (-liegt noch im November-), Ökumenischer Gedenkrundgang zum 9. November, Gesprächskreis Bibel, Adventskonzert am 29.11. Wenn etwas verschoben wird, gibt es dazu Nachrichten oder Hinweise an geeigneter Stelle.

In jedem Fall macht es z.Zt. immer Sinn, vor einer Veranstaltung noch einmal auf die Homepage unter www.kirche-nettelnburg.de zu schauen oder im Kirchenbüro (Tel 735 09 537) nachzufragen.

Viel Menschliches droht verloren zu gehen. Die meisten in Nettelnburg können sich in Haus und Garten zurückziehen. Andere sind alleine oder leben in spannungsvollen Zusammenhängen. Achten wir darauf, Konflikte nicht auch noch zu befeuern. Eine freundliche Nachfrage, vielleicht sogar ein Angebot zur Unterstützung können inneren und äußeren Frieden stiften. Bei allem Rückzug, der derzeit angesagt ist, seien wir achtsam und respektieren den Nächsten, selbst wenn er etwas anders „tickt“ als wir selber. Haben wir nicht alle so unsere kleinen Ticks?

Da manche sich fragen, warum Gottesdienste stattfinden können und in den Medienberichten nicht einmal als Ausnahme benannt werden, gebe ich eine Erklärung der leitenden Pröpstin unseres Kirchenkreises Hamburg-Ost wieder. Sie schreibt:

In der Öffentlichkeit wurde in den vergangenen Tagen oft gefragt, warum Gottesdienste weiterhin möglich sind, wo doch Theater oder andere Kultureinrichtungen schließen müssen. 

Man kann es so erklären: Oberstes Ziel der neuen Einschränkungen ist es, Kontakte soweit wie möglich einzuschränken, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Aus infektiologischer Sicht am sinnvollsten wäre der totale Lockdown inklusive Ausgangssperre. In einer Güterabwägung hat die Regierung sich aber dazu entschieden, bestimmte Bereiche (Schulen, Kitas, Geschäfte, Wirtschaftsbetriebe) weiterhin offen zu halten. Das bedeutet, dass die Einschränkungen in allen anderen Bereichen noch einmal strenger sein müssen, um das angestrebte Ziel zu erreichen.

Dennoch gibt Bereiche, die durch die Grundrechte noch einmal besonders geschützt sind und in denen man daher ebenfalls auf ein völliges Verbot verzichtet hat. Das sind zum einen Versammlungen (Art. 8 GG) und zum anderen Gottesdienste (Art. 4 GG: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“) Dieses Grundrecht kann der Staat nicht einfach abschaffen. Ein Grundrecht auf Kultur (etwa: „Der ungestörte Kulturgenuss wird gewährleistet.“) kennt das Grundgesetz dagegen nicht.

Wenn Gottesdienste stattfinden, ist das also kein Privileg der Kirchen, sondern ein Grundrecht jedes und jeder Einzelnen. Die Kirchenorganisation ist lediglich die Sachwalterin dieses Grundrechts, ihr „gehört“ der Gottesdienst nicht. Die Gemeindeglieder haben vielmehr selbst einen Anspruch gegen ihre Kirche, ihnen die Ausübung dieses Grundrechtes zu ermöglichen (siehe zB Art. 10 Abs 1 und 2 Verfassung der Nordkirche).

Nichts zu tun hat diese staatliche Entscheidung dagegen 

– mit einer Privilegierung der Kirchen – diese sind in allen Bereichen außerhalb von Gottesdienst und Seelsorge denselben staatlichen Regelungen und Verboten unterworfen wie alle anderen Institutionen und Einrichtungen;

– mit dem Kirchraum – eine Lesung, ein Konzert oder ein Theaterstück sind auch dort nicht möglich, da nicht grundrechtlich geschützt;

– mit den Inhalten der Gottesdienste – der Staat ist weltanschaulich neutral;

– mit den Hygienekonzepten der Kirchen oder der Theater – diese unterscheiden sich kaum.

Ich hoffe, diese Informationen sind für Sie hilfreich für die verantwortungsvollen Entscheidungen in Ihren Kirchengemeinden und Einrichtungen.

Mit herzlichen Grüßen auch von den pröpstlichen Kolleginnen und Kollegen

Ihre Pröpstin Isa Lübbers (Vorsitzende des Kirchenkreisrates)

Dass es dieses Grundrecht für die Kirchen gibt, hängt mit Erfahrungen in der Weimarer Republik und während der NS-Diktatur in unserem Land zusammen. Trotzdem kann man natürlich zurückfragen, warum denn kein Grundrecht auf Kultur gibt – und dabei geht es ja nicht nur um „Kulturgenuss“, sondern kulturelle Bildung, die ein verantwortliches Denken und Handeln zum Ziel hat. Der Zeitpunkt, darüber zu diskutieren und entscheiden, wird kommen.

Zum aktuellen Lockdown-light habe ich im Gottesdienst am letzten Sonntag unter der Überschrift „Suchet der Stadt Bestes“ gepredigt. Wen es interessiert, der kann die Predigt hier nachlesen:

Letzter Punkt: Wie im Gemeindebrief geschrieben, suchen wir Helfer/innen für den Ordnungsdienst für die Heiligabendgottesdienste. Wer kann es für einen Gottesdienst (14, 15, 16 oder  17 Uhr) einrichten? Da viele Nachbarn diese Gottesdienste auch schätzen, könnte man geeignete Personen aus der Nachbarschaft ansprechen und z.B. fragen: „Ich bin beim Ordnerdienst am 24.12. dabei. Können wir das nicht auch zu zweit machen?“ Natürlich gibt es eine angemessene Einweisung.

Ich grüßen mit einem herzlichen Schalom (=hebräisch für Friede, Wohlergehen),

Ihr/Euer

Hartmut Sölter


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