Bußtag – wofür?

veröffentlicht am 7. November 2009

Die Geschichte des Buß- und Bettages ist eher wenig verheißungsvoll: 1995 wurde er von der Regierung zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft. Es waren in früheren Zeiten oft Kaiser und Könige, die den Bußtag für das Volk verordneten. Damit geriet dieser Feiertag in den Verdacht vor allem für eine gute Moral sorgen zu sollen. Das Evangelium von Jesus Christus erschöpft sich aber nicht in moralischen Appellen und gutem Verhalten. Die gute Nachricht, die Jesus bringt, hat eine größere Kraft: Sie schafft neues Leben, wenn man sie für das eigene Leben in Anspruch nimmt und damit „Buße tut“.

Max Frisch erzählt die deprimierende Geschichte des Herrn Kürmann, der sein Leben wiederholen darf. Nochmal von vorne anfangen. Ein Traum wird wahr. Herr Kürmann spielt Szene um Szene seines Lebens neu. Und – macht immer wieder dieselben Fehler. Woran liegt´s? Er selbst, Herr Kürmann ist der alte geblieben.

Genauso wird’s uns ergehen. Ganz genauso. Wenn wir selber die alten bleiben.

Ja – kann man denn neu werden? Das wär’ doch was! Der neue Mensch – wer hat den nicht schon alles auf seine Fahnen geschrieben und ist am Ende immer gescheitert? Einer nicht. Von dem ist im Bußtagsgottesdienst die Rede: Jesus Christus. Wer´s mit dem zu tun kriegt, bei dem wird nach und nach einfach alles anders. Die Lebensziele, die Wertvorstellungen, die Verhaltensmaßstäbe. Paulus sagt über solche Menschen: „Was früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen.“

Buße heißt übersetzt Umkehr. Abkehr von verfehltem Leben, vor allem aber Hinkehr zu Gott, um mit ihm im Bunde neu zu beginnen. Dafür braucht es Zeit, das Leben zu betrachten und nachzusinnen. Dafür ist Raum im Bußtagsgottesdienst, im Gebet und oft auch im Seelsorgegespräch. Also mehr und mehr lernen, Gottes Gedanken und Pläne mit mir und im Umgang mit meinen Nächsten zu erkennen.

Dabei werden wir Fehler machen. Manches, was wir uns vornehmen, wird nicht gelingen. Doch wer einmal umgekehrt ist, wer die befreiende Kraft der Buße erfahren hat, wer in eine neue Richtung unterwegs ist, der weiß: Gott ist da mit seiner helfenden Liebe. Jeden Tag.

Der Abendgottesdienst am Bußtag (Mi, 18.11., 19.30 Uhr) kann dafür der Anfang eines verheißungsvollen Weges sein. Herzliche Einladung!

Ihr / Euer Hartmut Sölter, Pastor


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