Die zarteste Versuchung
veröffentlicht am 24. Januar 2009
„Die zarteste Versuchung…” – bei diesem Slogan hat jeder sofort eine lila Kuh vor Augen und das Wasser läuft im Mund zusammen. Hier offenbart sich, wie viele von uns „Schokoholiker” sind… . Auch wenn es stimmt, dass Schokolade für die Zähne und die Waage nicht immer das Beste ist – letztendlich ist es nicht wirklich schlimm, dieser Versuchung nachzugeben. Da gibt es ganz andere Herausforderungen und Verlockungen, deren Auswirkungen viel weitreichender sind.
Haben Sie sich schon mal überlegt, was für Sie Versuchungen sind, die Ihnen gar nicht gut tun? Nach denen ganz andere „Bauchschmerzen” auftreten? Vielleicht können Sie es nicht lassen, über andere Leute zu lästern? Oder es verlockt, einen Auftrag in der Firma für einen Kollegen einfach nicht zu bearbeiten? Oder es passiert immer wieder, dass Sie sich mit Notlügen über Wasser halten?
Im Vaterunser betet Jesus sogar: „Und führe uns nicht in Versuchung.” Aber an Schokolade hat er dabei bestimmt nicht gedacht. Viel mehr wird an dieser Stelle klar: es gibt eine Menge Dinge auf dieser Erde, die auf den ersten Blick wirklich reizvoll scheinen, aber die uns schaden. Sicher hilft eine kleine Lüge, um uns besser dastehen zu lassen oder uns vor unangenehmen Konsequenzen zu bewahren – aber dafür müssen wir das Lügengebäude immer weiter „pflegen”, damit am Ende nicht doch alles rauskommt. Das führt zu Misstrauen, das die Gemeinschaft stört.
Meistens ist die Verlockung aber so groß, dass wir die üblen Folgen vergessen. Darum brauchen wir Gottes Hilfe. Er kann uns davor bewahren, Dinge zu tun, die ihm nicht gefallen und schlecht für uns sind. Gott möchte das gerne tun, denn er will unser Bestes. Alles, was er braucht, ist unsere Bereitschaft, dass wir uns in solchen Situationen von ihm unterbrechen lassen.
Die Passionszeit ist so eine Unterbrechung. Sie liegt zu vielem quer, weil sie Leiden und Schmerzen zum Thema hat, die wir Menschen uns bereiten. Jesus hat sich unseres Leidens angenommen. Er kann helfen, dass das, was wirklich „Bauchschmerzen” macht, Erlösung findet. Die Passionszeit gibt der Frage Raum: Was hält mich davon ab, Gottes Willen zu tun? Jesus hat am Kreuz gelitten, damit böses Fehlverhalten nicht immer wieder geschehen muss. Vergebung wird möglich. Um das zu erleben, ist die Passionszeit ein heilsames Angebot, Verzicht zu üben statt jeder Verlockung nachzugeben. Da es jedoch nicht nur um Ablehnung geht, sondern um einen Lebensgewinn, kommt die nächste Frage in den Blick: Was hält mich dazu an, Gottes Willen zu tun?
Mögen wir in unseren Begegnungen, Gottesdiensten und Andachten „heilsame Unterbrechungen” erfahren.
Ich wünsche eine gesegnete Passionszeit,
Ihr/Euer Hartmut Sölter, Pastor