Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
veröffentlicht am 14. September 2009
- ein Plädoyer für den Gottesdienst in Sonntag und Alltag
Das sagen die Trainer oft nach einer Fußballpartie. Nur nicht am (Miss-)Erfolg eines Spiels aufhalten, sondern gleich das in den Blick nehmen, was dann kommt!
Segen, gesungenes Amen, Schlussvers,– und was kommt dann? Bekanntmachungen, Musik zum Ausgang, Kirchenkaffee – und was kommt dann? Was kommt eigentlich nach dem Gottesdienst?
Nach dem Gottesdienst ist vor dem Gottesdienst. Damit meine ich den „Gottesdienst im Alltag“ und weniger den nächsten Gang zur Kirche am folgenden Sonntag. Also das, was mein Leben zu Hause, bei der Arbeit und in der Freizeit ausfüllt. Jeder Sportler ist heiß auf den Einsatz. Anders als beim Sport ist im Bezug auf den Gottesdienst die Frage, was genau der „Ernstfall des Einsatzes“ ist: Der Gottesdienst am Sonntag oder der „Alltagsgottesdienst“ in der Woche. Geht es nicht bei beiden darum, als Christ zu leben? Die Glaubwürdigkeit von Gesang, Gebet und Predigt zeigt sich darin, wie wir Montag bis Sonnabend mit unseren Nächsten umgehen, wie unser Gewissen tickt und wo wir Verantwortung übernehmen. Das gilt sonntags ebenfalls – nur da braucht nicht gearbeitet zu werden. Hiermit tut Gott uns Gutes. Nun tut er das in der Woche auch, aber im Gottesdienst am Sonntag nehmen wir mehr in den Blick, wie Gott uns dient. Das ist ja Gottesdienst: Wir dienen Gott und Gott dient uns. Am Sonntag eher eine Prise mehr von Letzterem.
Schwierig wird es, wenn Gottesdienst und Alltag getrennt werden. Wo also der Sonntag oder der Alltag allein als das eigentliche des Lebens oder des Glaubens angesehen werden. Das ist dann wie ein Wettkampf ohne Training oder ständiges Training ohne Spielpraxis.
Dazu ein paar Anregungen: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ will heißen: Ein Gottesdienst darf nachklingen. Welche Frage bewegt mich nach dem Gottesdienst? Manchmal wirft eine Predigt mehr Fragen auf, als dass sie welche beantwortet… . Hat sich ein Impuls festgehakt, den ich weiterverfolgen will? Bin ich bestätigt oder ermutigt worden bei etwas, was ich längst tue? Möchte ich mit jemandem darüber reden, was mich beschäftigt?
Genauso kann man sich auf einen Gottesdienst vorbereiten: Mit welcher Frage, mit welchem Impuls, mit welchem Erlebnis komme ich in die Kirche? Findet sich davon etwas in der Musik, in einer Lesung oder in der Predigt? (Predigttext und Thema sind in der Regel im Gemeindebrief angekündigt.) Möchte ich mit jemandem darüber sprechen – vielleicht beim Kirchkaffee oder persönlich mit dem Pastor?
Ich wünsche uns Gottesdienste, in denen sich Sonntag und Alltag verbinden – egal ob „vor dem Spiel oder nach dem Spiel“. Herzlich willkommen im nächsten Gottesdienst,
Ihr/Euer
Hartmut Sölter, Pastor